Gesundheit und Soziales

„Sprungbrett in ein neues Leben“

In der modernen psychosozialen Betreuung rückt der Personenkreis der Menschen mit chronischen Suchtfolgeerkrankungen immer öfter in den Fokus.  Die Vitos Begleitend psychiatrischen Dienste sind auch in diesem Bereich aktiv. Derzeit baut das Unternehmen in Stockstadt ein Wohnheim für 19 Menschen aus der Region mit Suchtfolgeerkrankungen. Ziel ist es, den Klienten wohnortnah bei der Bewältigung des Alltags zu helfen und ihnen so eine selbstbestimmte Zukunft mit Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Am 23. August 2018 informierte sich Stockstadts Bürgermeister Thomas Raschel im Rahmen eines Baustellenrundgangs über das Projekt.

„Ich bin von dem Projekt in der Kleingasse 6 sehr beeindruckt“, so der Bürgermeister. „Für Menschen, die an Suchtfolgeerkrankungen leiden, ist das, was hier geschieht, ein Sprungbrett in ein neues Leben.“ Über den erreichten Baufortschritt freuen sich auch der Therapeutische Leiter Peter-Christian Mann und der Geschäftsführer von Vitos Riedstadt, Frank Losert. „Wir freuen uns, dass derzeit alles so gut läuft und die Eröffnung des Hauses wohl wie geplant im Herbst dieses Jahres stattfinden kann“, erklärt Losert. Gemeinsam mit der GFP Projektmanagement GmbH investiert Vitos rund 3,5 Millionen Euro in das Projekt. „Wir sind froh, auf diese Weise einen Teil dazu beitragen zu können, dass die regionale Gesundheitsversorgung für Stockstadt und den Kreis Groß-Gerau noch weiter ausgebaut wird“, erläutert Marc Hartmann von GFP.

Was sind Suchtfolgeerkrankungen?
„Bedingt durch den langjährigen Substanzmissbrauch kommt es bei den Betroffenen, auch nach einem erfolgreichen Entzug, häufig zu schweren körperlichen und psychischen Problemen“, erklärt Peter-Christian Mann. „Das führt dazu, dass sie nicht, oder nur sehr begrenzt, in der Lage sind, Bedürfnisse, Aktivitäten und Notwendigkeiten des täglichen Lebens selbstständig wahrzunehmen“, ergänzt Frank Losert. Manchmal gefährdeten sie sich sogar selbst. „Aber nur sich selbst! Für die Bevölkerung besteht keinerlei Gefahr! Es ist uns an dieser Stelle noch einmal ganz wichtig, dies zu betonen“, so Losert.

Multiprofessionelles Team und moderne Ausstattung
Um die Wiedereingliederung der Bewohner „ins normale Leben“ in allen Belangen kümmert sich ein 15-köpfiges, multiprofessionelles Therapieteam. Es besteht aus Sozialarbeitern, Heilerziehungspflegern, Erziehern und Hauswirtschaftshilfen. Die Klienten werden täglich 24 Stunden und 365 Tage im Jahr betreut.

Das Wohnheim bietet 19 Plätze, die jeweils mit eigenem Bad ausgestattet sind. Elf davon sind offen, acht „geschützt“, das heißt, die dortigen Bewohner werden besonders betreut. Es gibt fünf Einzelzimmer im Erdgeschoss des Vorderhauses, außerdem fünf Zimmer im ersten Obergeschoss sowie zwei weitere Zimmer im Dachgeschoss, eines davon als Notzimmer. Im hinteren Gebäudekomplex befindet sich die geschützte Wohneinheit mit acht Zimmern über zwei Etagen. Alle Bereiche verfügen über eine Küche und einen Gruppenraum.

„Alle Gebäudeteile sind miteinander verbunden und so gestaltet, dass sie die persönlichen Entwicklungsprozesse der Bewohner stützen und fördern. Deshalb dürfen auch alle Räume mit privaten oder einrichtungseigenen Möbeln ausgestattet werden“, erklärt Mann.

Bundesteilhabegesetz verlangt gemeindenahe Unterbringung
„Bislang befindet sich unser Wohnheim für Menschen mit Suchtfolgeerkrankungen gemeinsam mit unserer Einrichtung für Menschen mit chronisch-psychischen Erkrankungen auf dem Vitos-Gelände in Riedstadt“, so Mann. „Moderne therapeutische Erkenntnisse zeigen, dass Therapien erfolgreicher sind, wenn die Klienten wohnortnah behandelt und betreut werden. Dies fand auch im Bundesteilhabegesetz seinen Niederschlag. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Standort gemacht und fanden das Grundstück in der Kleingasse 6 in Stockstadt. Mit einer Größe von 1.200 Quadratmetern, der zentralen Lage und dem schönen Grün bietet es die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Widereingliederung.“